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IPC/WHMA-A-620 für Roboter-Kabelbaugruppen: Der vollständige Leitfaden zu Verarbeitungsstandards und Klassifizierung

Veroeffentlicht 2026-03-1614 Min. Lesezeitvon Engineering Team

Ein Tier-1-Automobilzulieferer setzte 24 Lichtbogen-Schweißroboter mit kundenspezifischen Kabelbaugruppen ein, die für 5 Millionen Biegezyklen ausgelegt waren. Jede Kabelbaugruppe bestand bei der Wareneingangsprüfung die Durchgangs- und Isolationswiderstandstests. Sechs Monate später traten an drei Robotern intermittierende Encoderfehler bei Hochgeschwindigkeits-Schweißsequenzen auf. Die Ursachenanalyse ergab Litzenbrüche — 3 bis 5 Einzellitzen wurden beim Abisolieren beschädigt — und bildeten Mikroriss-Ausgangspunkte unter wiederkehrender Biegebeanspruchung. Die Kabel erfüllten jede elektrische Spezifikation. Sie fielen aus, weil niemand sie nach den Verarbeitungskriterien der IPC/WHMA-A-620 geprüft hatte.

Dieses Szenario wiederholt sich in der Robotik immer wieder, weil elektrische Prüfungen allein keine Verarbeitungsfehler aufdecken, die zu mechanischem Versagen führen. Eine Crimpung kann den Zugtest bestehen und dennoch eine fehlerhafte Crimphöhe aufweisen, die Feuchtigkeit eindringen lässt. Eine Lötstelle kann elektrisch einwandfrei leiten und trotzdem eine kalte Lötstelle enthalten, die unter Vibration reißt. IPC/WHMA-A-620 ist die einzige branchenübergreifende Konsens-Norm, die definiert, was „gute Verarbeitung“ bei Kabel- und Kabelbaugruppen bedeutet — und bei Roboterkabeln, die unter Dauerbewegung und starker Vibration arbeiten, entscheidet sie über Langlebigkeit oder unvorhersehbare Ausfälle.

Elektrische Prüfungen sagen Ihnen, ob ein Kabel heute funktioniert. Eine Inspektion nach IPC/WHMA-A-620 sagt Ihnen, ob es auch nach 2 Millionen Biegezyklen noch funktionieren wird. Bei Roboter-Kabelbaugruppen ist dieser Unterschied der zwischen 5 Jahren Lebensdauer und einem Gewährleistungsfall nach 6 Monaten.

Engineering Team, Robotics Cable Assembly

Was ist IPC/WHMA-A-620 und warum ist sie für die Robotik wichtig?

IPC/WHMA-A-620, offiziell betitelt „Requirements and Acceptance for Cable and Wire Harness Assemblies“, ist die einzige branchenübergreifende Konsens-Norm für die Verarbeitungsqualität von Kabelbaugruppen. Gemeinsam entwickelt von IPC (Association Connecting Electronics Industries) und der Wire Harness Manufacturers Association (WHMA), wurde die Norm erstmals 2002 veröffentlicht und in sechs Revisionen überarbeitet — die aktuelle Ausgabe ist IPC/WHMA-A-620F von 2025.

Die Norm definiert Abnahmekriterien für jeden Prozessschritt in der Kabelkonfektionierung: Aderaufbereitung, Crimpen, Löten, mechanische Montage, Steckermontage, Kabelverlegung, Schnürung, Kabelbinderbefestigung, Beschriftung und Schutzhüllen. Für jeden Prozess legt sie fest, was als „Ziel“ (ideal), „Akzeptabel“ (erfüllt die Anforderungen), „Prozessindikator“ (nicht ideal, aber funktionsunbeeinträchtigend) und „Fehler“ (muss abgelehnt werden) gilt.

Speziell für die Robotik ist IPC/WHMA-A-620 entscheidend, weil Roboter-Kabelbaugruppen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, die weit über die üblicher Elektronikverkabelung hinausgehen. Dauerbiegung, Torsion, Vibration und Beschleunigungskräfte führen dazu, dass Verarbeitungsfehler, die in einer statischen Installation harmlos wären, in der Robotik zu Ausfallauslösern werden. Eine Litzenanritzung, die in einem Schaltschrank nie auffallen würde, kann ein Kabel innerhalb weniger Monate zum Versagen bringen, wenn es sich 500 Mal pro Stunde im Roboterarm biegt.

Die drei Produktklassen: Welche braucht Ihr Roboter?

IPC/WHMA-A-620 definiert drei Produktklassen mit stufenweise strengeren Abnahmekriterien. Die richtige Klasse für Ihre Roboter-Kabelbaugruppe zu wählen, ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Spezifikationsprozess — und eine der am häufigsten missverstandenen.

KriteriumKlasse 1 — AllgemeinKlasse 2 — ZweckgebundenKlasse 3 — Hochleistung
EinsatzzweckKonsumgüter, unkritische GeräteIndustrieausrüstung, kommerzielle SystemeLebenserhaltung, Militär, Luft-/Raumfahrt, sicherheitskritische Robotik
Erwartete Lebensdauer1–3 Jahre5–7 Jahre15+ Jahre
LitzenbeschädigungstoleranzBis zu 20 % der Litzen dürfen beschädigt seinBis zu 10 % der Litzen dürfen beschädigt seinKeine Litzenbeschädigung zulässig
CrimpanforderungenSichtprüfung ausreichendCrimphöhenmessung erforderlichCrimphöhe + Querschliffanalyse zur Qualifikation
LötlunkertoleranzBis zu 25 % LunkerflächeBis zu 5 % LunkerflächeKeine Lunker zulässig
KabelverlegungFunktionale Verlegung ausreichendGeordnete Verlegung, korrekte BiegeradienPräzise Verlegung, verifizierte Biegeradien, Schnürung bevorzugt
RückverfolgbarkeitNicht erforderlichChargenrückverfolgbarkeit empfohlenVollständige Chargenrückverfolgbarkeit obligatorisch
Typische Robotik-AnwendungHobby-/AusbildungsroboterIndustrieroboter, FTS, CobotsChirurgieroboter, Verteidigungssysteme, sicherheitskritisch
Entscheidungshilfe: Klasse 2 oder Klasse 3

Die meisten industriellen Roboter-Kabelbaugruppen sollten nach Klasse 2 gefertigt werden. Klasse 3 ist für sicherheitskritische Anwendungen vorbehalten (Chirurgieroboter, Verteidigung, explosionsgefährdete Bereiche), bei denen ein Kabelausfall Personenschäden oder Missionsversagen verursachen kann. Klasse 3 erhöht die Fertigungskosten um 30–50 % und verlängert die Lieferzeiten aufgrund strengerer Prüfanforderungen erheblich.

Kritische IPC/WHMA-A-620-Anforderungen für Roboter-Kabelbaugruppen

Die vollständige Norm umfasst über 400 Seiten Abnahmekriterien. Bestimmte Anforderungen sind jedoch für Roboter-Kabelbaugruppen unverhältnismäßig wichtig, da diese Kabel besonderen mechanischen Belastungen standhalten müssen. Hier sind die relevantesten Abschnitte.

Aderaufbereitung und Abisolierung (Abschnitt 7)

Die Abisolierung ist der Prozessschritt, an dem die meisten Ausfälle von Roboter-Kabelbaugruppen ihren Ursprung haben. Die Norm verlangt, dass die Isolierung sauber entfernt wird, ohne Litzen einzukerben, einzuschneiden, zu verkratzen oder anderweitig zu beschädigen. Bei Klasse 2 dürfen bis zu 10 % der Litzen leichte Beschädigungsspuren aufweisen. Bei Klasse 3 gilt: null Litzenbeschädigung — ausnahmslos. Bei hochflexiblen Robotik-Anwendungen kann selbst die 10-%-Toleranz der Klasse 2 problematisch sein, da beschädigte Litzen unter zyklischer Belastung zu Rissausgangspunkten werden.

  • Die Isolierung muss sauber geschnitten sein — keine ausgefransten Kanten, keine gedehnte oder verzogene Isolierung
  • Die Abisolierlänge muss der Crimphülsenlänge entsprechen (±1 mm bei Klasse 2, ±0,5 mm bei Klasse 3)
  • Keine Litzen dürfen geschnitten, gekerbt oder verkratzt sein (Klasse 3) bzw. maximal 10 % beschädigt (Klasse 2)
  • Thermisches Abisolieren ist dem mechanischen Abisolieren bei PTFE- und Hochleistungsisolierungen vorzuziehen
  • Die Isolierung darf durch Wärme-Abisolierwerkzeuge nicht verfärbt oder angeschmolzen sein

Crimpverbindungen (Abschnitt 9)

Das Crimpen ist der kritischste Prozess bei Roboter-Kabelbaugruppen, da Crimpverbindungen ihre elektrische und mechanische Integrität über Millionen von Biegezyklen aufrechterhalten müssen. IPC/WHMA-A-620 definiert die Crimpqualität über mehrere messbare Parameter — nicht nur danach, ob die Crimpung optisch „in Ordnung“ aussieht.

Crimp-ParameterKlasse-2-AnforderungKlasse-3-AnforderungBedeutung für die Robotik
CrimphöheInnerhalb der HerstellerspezifikationInnerhalb der Herstellerspezifikation, 100 % gemessenFalsche Höhe = lose Crimpung = Mikroreibung unter Biegung
CrimpbreiteKeine Aufweitung über 2× LeiterdurchmesserGleichmäßige Breite, keine AufweitungAufweitung ermöglicht Feuchtigkeitseintritt in Nassreinigungsumgebungen
LeitersichtbarkeitLeiter müssen im Inspektionsfenster sichtbar seinLeiter sichtbar, korrekte Position verifiziertSicherstellung der vollständigen Leitersitzung in der Crimphülse
IsolationscrimpungMuss die Isolierung greifen, nicht die LeiterMuss nur die Isolierung greifen, Position verifiziertVerhindert Leiterbeschädigung am Biegeübergangspunkt
Zugprüfung (Auszugskraft)Mindest-Auszugskraft je Leiterquerschnitt einhaltenMindest-Auszugskraft, Stichprobenprüfung je ChargeValidiert die gasdichte Verbindung unter mechanischer Last

Wir haben Roboter-Kabelbaugruppen von Lieferanten gesehen, die IPC/WHMA-A-620-Konformität beanspruchen, aber kein einziges Crimphöhen-Messprotokoll vorlegen können. Wenn Ihr Fertiger die Crimphöhen nicht an jeder Verbindung (Klasse 3) oder stichprobenartig je Charge (Klasse 2) misst, befolgt er die Norm nicht — er behauptet es nur.

Engineering Team, Robotics Cable Assembly

Lötverbindungen (Abschnitt 10)

Obwohl Crimpen für die meisten Verbindungen in Roboter-Kabelbaugruppen bevorzugt wird, erfordern manche Anwendungen gelötete Anschlüsse — insbesondere bei Sensorkabeln, Encoderverbindungen und kundenspezifischen Leiterplatten-Schnittstellen. Die Norm spezifiziert Abnahmekriterien für Lötstellen, die für Verbindungen unter Vibration und thermischen Zyklen entscheidend sind.

  • Das Lot muss 100 % der Verbindungsoberfläche benetzen (Klasse 3) bzw. 95 % (Klasse 2)
  • Keine kalten Lötstellen — erkennbar an mattem, körnigem oder kristallinem Erscheinungsbild
  • Keine Lötbrücken zwischen benachbarten Anschlüssen
  • Der Lötmeniskus muss glatt und konkav sein und sowohl Leiter als auch Anschluss vollständig benetzen
  • Maximale Lunkerfläche: 5 % (Klasse 2), 0 % (Klasse 3) — bei kritischen Anwendungen per Röntgen verifiziert
  • Kein Anzeichen überhitzter Isolierung oder Flussmittelrückstände an der fertigen Verbindung

Kabelverlegung, Schnürung und Befestigung (Abschnitte 12–13)

Bei Roboter-Kabelbaugruppen ist die korrekte Verlegung und Befestigung wohl ebenso wichtig wie die Qualität der Anschlüsse. Die Norm definiert Anforderungen an die Kabelführung, Bündelung und Befestigung — alles Faktoren, die Biegeleistung und Lebensdauer direkt beeinflussen.

  • Kabel müssen im gesamten Verlauf den Mindestbiegeradius einhalten — bei dynamischen Anwendungen typischerweise 10× Kabelaußendurchmesser
  • Kabelbinder dürfen nicht so fest angezogen werden, dass sie die Kabelisolierung verformen
  • Schnürung wird bei Klasse-3-Anwendungen gegenüber Kabelbindern wegen überlegener Vibrationsfestigkeit bevorzugt
  • An Steckerübergängen muss eine Zugentlastung vorgesehen sein, um Leiterermüdung am Anschlusspunkt zu verhindern
  • Service-Schlaufen müssen dort eingeplant werden, wo Kabel über bewegliche Gelenke geführt werden, um Zugbelastung bei Roboterbewegung zu vermeiden
  • Die Kabelführung muss scharfe Kanten, Quetschstellen und potenzielle Scheuerstellen vermeiden

IPC/WHMA-A-620 im Vergleich zu anderen Qualitätsnormen für die Robotik

Ingenieurteams fragen häufig, wie sich IPC/WHMA-A-620 zu anderen Qualitätsnormen verhält, mit denen sie bereits arbeiten. So fügt sich die Norm in das übergeordnete Qualitäts-Ökosystem ein.

NormGeltungsbereichBezug zu IPC/WHMA-A-620
ISO 9001QualitätsmanagementsystemQMS-Rahmenwerk — definiert keine Verarbeitungskriterien. A-620 liefert die konkreten Abnahmekriterien, die ISO 9001 als vorhanden voraussetzt
IATF 16949Automobil-QualitätsmanagementAutomobil-QMS-Erweiterung von ISO 9001. Verweist häufig auf A-620 Klasse 2/3 für die Kabelkonfektionierung
IPC-A-610Abnahmekriterien für elektronische BaugruppenGilt speziell für Leiterplattenbaugruppen. A-620 gilt für Kabel- und Kabelbaugruppen — die Normen ergänzen sich
UL 2237Kabelbaugruppen für Roboter und AutomatisierungsanlagenSicherheitsnorm für Materialien und Aufbau. A-620 behandelt Verarbeitungsqualität — beide sollten spezifiziert werden
IEC 60228Leiter isolierter KabelDefiniert Leiterklassen (Klasse 5/6 für Dauerbiegung). A-620 definiert, wie diese Leiter konfektioniert und angeschlossen werden
ISO 9001 ersetzt nicht IPC/WHMA-A-620

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die ISO-9001-Zertifizierung eines Herstellers automatisch bedeutet, dass seine Kabelbaugruppen Verarbeitungsnormen erfüllen. ISO 9001 bestätigt, dass ein Qualitätsmanagementsystem existiert — sie sagt nichts darüber aus, wie „gute Qualität“ bei einer Kabelbaugruppe konkret aussieht. Dafür brauchen Sie IPC/WHMA-A-620 mit ihren spezifischen Abnahmekriterien.

IPC/WHMA-A-620 korrekt auf Ihrem Angebot für Roboter-Kabelbaugruppen spezifizieren

Einfach „IPC/WHMA-A-620-konform“ auf Ihre Zeichnung oder Bestellung zu schreiben, reicht nicht aus. Eine wirksame Spezifikation erfordert Klarheit in mehreren Schlüsselentscheidungen.

  1. Produktklasse explizit angeben: „Alle Kabelbaugruppen sind nach IPC/WHMA-A-620, Klasse 2, zu fertigen und zu prüfen“ — die Klasse nie offen lassen
  2. Revisionsstand festlegen: Eine bestimmte Revision referenzieren (z. B. Rev F) statt „aktuelle Revision“, um Normwechsel während der Produktion zu vermeiden
  3. Erhöhte Anforderungen kennzeichnen: Wenn Sie bei einer Klasse-2-Baugruppe Klasse-3-Crimpprüfung benötigen, dies explizit in den Zeichnungshinweisen vermerken
  4. Zertifizierungsnachweis fordern: Festlegen, dass der Hersteller aktuelle IPC/WHMA-A-620-Zertifizierungen als Certified IPC Specialist (CIS) oder Certified IPC Trainer (CIT) vorweisen muss
  5. Prüfdokumentation definieren: Angeben, ob Erstmusterprüfberichte (FAIR), prozessbegleitende Prüfprotokolle oder Endprüfberichte erforderlich sind
  6. Spezifische qualitätskritische Merkmale (CTQ) festlegen: Bei Roboterkabeln sollten Crimphöhenmessungen und Litzenprüfung stets als CTQ-Merkmale aufgelistet werden

Herstellerzertifizierung: Worauf Sie achten sollten

IPC bietet ein gestuftes Zertifizierungsprogramm für IPC/WHMA-A-620 an. Das Verständnis dieser Stufen hilft Ingenieurteams zu beurteilen, ob ein Hersteller die Norm tatsächlich einhält oder lediglich Konformität behauptet.

ZertifizierungsstufeBedeutungVerifizierung
Certified IPC Trainer (CIT)Kann andere innerhalb der Organisation schulen und zertifizieren. Höchstes nachgewiesenes KompetenzniveauÜberprüfung über die IPC Validation Services-Datenbank
Certified IPC Specialist (CIS)Geschult und geprüft auf Basis der Norm. Kann Inspektionen nach A-620-Kriterien durchführenÜberprüfung über die IPC Validation Services-Datenbank
Selbsterklärte KonformitätHersteller gibt an, A-620 zu befolgen, besitzt aber keine IPC-ZertifizierungInspektionsverfahren, Musterberichte und Schulungsnachweise anfordern
Audit-Tipp für Ingenieurteams

Bitten Sie bei Lieferantenaudits darum, die Crimphöhen-Überwachungsdaten der letzten 3 Monate einzusehen. Ein Hersteller, der IPC/WHMA-A-620 tatsächlich einhält, verfügt über SPC-Diagramme (Statistische Prozesskontrolle) mit Crimphöhentrends für jeden Kontakttyp. Kann er diese Daten nicht vorlegen, ist seine A-620-Konformitätsbehauptung nicht belastbar.

Häufige IPC/WHMA-A-620-Verstöße bei Roboter-Kabelbaugruppen

Auf Basis von Wareneingangs-Inspektionsdaten aus Tausenden von Roboter-Kabelbaugruppen sind dies die am häufigsten festgestellten IPC/WHMA-A-620-Verstöße — und warum sie in der Robotik besonders problematisch sind.

RangVerstoßNormabschnittAuswirkung auf Roboterkabel
1Angeritzte oder geschnittene LeiterlitzenAbschnitt 7 (Aderaufbereitung)Litzenschäden erzeugen Ermüdungsriss-Ausgangspunkte — Ausfall innerhalb von 6–12 Monaten
2Fehlerhafte CrimphöheAbschnitt 9 (Crimpen)Untercrimpt: intermittierender Kontakt. Übercrimpt: Litzenschäden unter der Crimphülse
3Unzureichende LotbenetzungAbschnitt 10 (Löten)Kalte Lötstellen reißen unter Vibration und thermischen Zyklen im Robotersteuerungsschrank
4Zu fest angezogene KabelbinderAbschnitt 13 (Befestigung)Verformt die Isolierung und erzeugt Spannungskerben, die unter Dauerbiegung versagen
5Fehlende oder unzureichende ZugentlastungAbschnitt 12 (Kabelführung)Leiterermüdung am Steckerübergang — der häufigste Ausfallort bei Roboterkabeln

IPC/WHMA-A-620F (2025): Änderungen in der aktuellen Revision

Die aktuelle Revision, IPC/WHMA-A-620F von 2025, enthält mehrere für Roboter-Kabelbaugruppen relevante Aktualisierungen. Wesentliche Änderungen betreffen die Klassifizierung, Prüfmethodik, Prozesskontrolle, Löt- und Crimpverbindungen, Schutzhüllen und Prüfprotokolle.

  • Aktualisierte Klassifizierungsleitlinien zur besseren Abstimmung der Produktklassenwahl auf die Einsatzumgebung
  • Erweiterte Inspektionsmethodik-Abschnitte mit klareren visuellen Standards und Referenzfotografien
  • Verschärfte Prozesskontrollanforderungen für Crimpverbindungen, einschließlich erweiterter SPC-Empfehlungen
  • Neue Bestimmungen für Schutzhüllen, wie sie in Roboter-Kabelpaketen und Energiekettenanwendungen üblich sind
  • Aktualisierte Prüfprotokolle entsprechend aktueller Prüfmethoden für Dauerbiegekabel
  • Klargestellte Abnahmekriterien für mehradrige Kabelbaugruppen mit gemischten Signal- und Leistungskreisen

Häufig gestellte Fragen

Ist die IPC/WHMA-A-620-Zertifizierung für Hersteller von Roboter-Kabelbaugruppen verpflichtend?

Nein — IPC/WHMA-A-620 ist eine freiwillige Industrie-Konsens-Norm, keine behördliche Vorschrift. Allerdings fordern viele OEMs und Tier-1-Zulieferer von ihren Kabelkonfektionären vertraglich die IPC/WHMA-A-620-Zertifizierung (CIS- oder CIT-Niveau). Wenn Ihr Roboter in einer regulierten Branche eingesetzt wird (Medizin, Verteidigung, Automobil), ist die Norm de facto verpflichtend, weil Ihre Kunden sie voraussetzen.

Wie groß ist der Kostenunterschied zwischen Klasse-2- und Klasse-3-Fertigung?

Die Fertigung nach Klasse 3 kostet in der Regel 30–50 % mehr als Klasse 2 bei identischem Kabeldesign. Die Mehrkosten resultieren aus zusätzlichem Prüfaufwand (100 % statt Stichprobe), engeren Prozesskontrollen, höheren Ausschussraten, umfangreicheren Dokumentationsanforderungen und dem Bedarf an Spezialausrüstung wie Werkzeugen zur Crimp-Querschliffanalyse. Für die meisten Industrieroboter-Anwendungen bietet Klasse 2 das richtige Verhältnis von Qualität und Kosten.

Kann ich insgesamt Klasse 2 spezifizieren, aber Klasse 3 für bestimmte Prozesse?

Ja — das ist gängige Praxis und sinnvoll. Sie können „IPC/WHMA-A-620 Klasse 2 mit Klasse-3-Crimpprüfungsanforderungen“ spezifizieren, um erhöhte Crimpqualität ohne die Gesamtkosten von Klasse 3 zu erhalten. Dieser Ansatz ist besonders bei Roboter-Kabelbaugruppen effektiv, bei denen die Crimpqualität der dominierende Zuverlässigkeitstreiber ist, die vollständige Klasse-3-Dokumentation und -Verlegungsanforderungen jedoch unnötig sind.

Wie oft muss die IPC/WHMA-A-620-Zertifizierung erneuert werden?

Die IPC/WHMA-A-620-Zertifizierung (CIS- und CIT-Stufe) gilt zwei Jahre. Die Rezertifizierung muss innerhalb von sechs Monaten vor dem Ablaufdatum erfolgen. Prüfen Sie bei Lieferantenaudits stets das Ablaufdatum der Zertifizierung — eine abgelaufene Zertifizierung bedeutet, dass das Personal des Herstellers möglicherweise nicht auf dem aktuellen Revisionsstand der Norm geschult ist.

Deckt IPC/WHMA-A-620 auch Kabelprüfungsanforderungen ab?

IPC/WHMA-A-620 behandelt visuelle und mechanische Inspektionskriterien (Verarbeitung), ist aber primär keine Norm für elektrische Prüfung. Sie verweist auf elektrische Prüfanforderungen wie Durchgangsprüfung, Isolationswiderstandsmessung (Megohm) und Hochspannungsprüfung, ersetzt diese aber nicht. Für Roboter-Kabelbaugruppen sollten Sie IPC/WHMA-A-620 für die Verarbeitungsqualität zusammen mit Ihrer elektrischen Prüfspezifikation angeben, um sowohl mechanische als auch elektrische Integrität sicherzustellen.

Literaturhinweise

  • IPC/WHMA A-620F-2025 Standard — Requirements and Acceptance for Cable and Wire Harness Assemblies (ANSI Blog: https://blog.ansi.org/ansi/ipc-whma-a-620f-2025-cable-wire-harness-assembly/)
  • IPC/WHMA-A-620 Overview — Requirements for Cable and Wire Harness Assemblies (SuperEngineer: https://www.superengineer.net/blog/ipc-a-620)
  • IPC 620 Certification Guide — Mastering Quality Standards in Electronic Manufacturing (EPTAC: https://www.eptac.com/blog/mastering-quality-standards-ipc-620-certification-in-electronic-manufacturing)

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